“Wo soll ich anfangen?”, das war mein erster Gedanke, als Aileen mich nach einem Gastbeitrag über Guatemala gefragt hat. Aber hier bin ich nun und dafür muss ich ein klein wenig ausholen, um zu der Geschichte zu kommen, wie wir in Guatemala beklaut wurden…
Ich war zu dem Zeitpunkt schon über ein dreiviertel Jahr alleine unterwegs, als ich in Guatemala angekommen bin. Versteht mich nicht falsch, das Land ist unglaublich schön, mit all den eindrucksvollen Orten und ich habe in dem Land unglaubliche Sachen erlebt, wie z. B. einen aktiven Vulkan hoch zu wandern, dort in einem Zelt zu schlafen und daneben den aktiven Fuego Vulkan alle 10 bis 15 Minuten ausbrechen zu sehen… Einmalig! Aber in Guatemala sind eben auch einfach so viele Sachen passiert, bei denen ich nicht mit 100% reinem Gewissen sagen kann: Ja, es ist ein Land, das man einfach alleine bereisen kann. Aber das ist mein persönlicher Eindruck, meiner Erfahrung nach.
Zu der Zeit bin ich mit einem anderen Mädchen zusammen gereist, das mittlerweile eine gute Freundin von mir ist. Das Land an sich war einer der turbulentesten, in dem ich bis dahin war. Wir befanden uns in Lanquín, Guatemala, haben uns dort den Semuc Champey angeschaut und wollten von dort aus eigentlich mit dem Bus nach Honduras. Da auf Grund von Corona noch nicht alle Busse fuhren und man uns mehrmals versucht hat übers Ohr zu hauen, haben wir uns entschieden nach Guatemala City zu fahren. Denn uns wurde gesagt, da dies die Hauptstadt Guatemalas ist, fahren von dort aus auf jeden Fall Busse nach Honduras. Alles klar, gesagt, getan, somit ging es nach Guatemala City. Allerdings bekamen wir dort die ernüchternde Information, dass das nicht stimmte, sondern wir wieder zurück nach Antigua mussten. Also setzen wir uns in den Bus nach Antigua.
Im Bus nach Antigua setzten wir uns getrennt auf die gegenüberliegenden Seiten, damit wir nach großer Diskussion, endlich all unser Hab und Gut bei uns behalten konnten. Wichtig: Wir wollen unser Gepäck nicht oben dem Busdach haben. Wir saßen in der ersten Reihe direkt hinter dem Busfahrer, so weit, so gut. Ab einem gewissen Punkt bekam ich ein ungutes Gefühl, was ich mir bis heute nicht erklären kann… An der nächsten Haltestelle wollte ich mich gerade neben meine Freundin setzen, als ein niedliches älteres Ehepaar einstieg. Zumindest dachten wir das zu diesem Zeitpunkt… Sie stiegen ein und der Mann setzte sich neben mich, und die Frau neben meine Freundin. Ich weiß noch, wie ich mich gewundert hatte, dass sie sich direkt neben uns setzen, da der Bus halb leer war und die Reihe direkt hinter uns auch frei war. Aber ich sagte mir innerlich vielleicht müssen sie die nächste Haltestelle wieder raus, aber nein, das war nicht der Fall. Meine Freundin holte zwischenzeitlich ihr Handy raus und kurzerhand gab ich ihr ein Zeichen das ganz tief in ihre Tasche zurückzustecken. Kurz vor Antigua begann der Mann mich anzusprechen und sagte mir immer wieder, dass wir gleich in Antigua ankommen und ich sagte ihm immer wieder höflich vielen Dank, das weiß ich. Als wir die Haltestelle sahen, begannen wir unsere großen Backpacks aufzusetzen und der Mann sagte immer wieder “Wir kommen jetzt an”, woraufhin ich wieder sagte “Ich weiß”. Er rutschte so weit in die Mitte, dass er fast stehen musste und bat mich meinen kleinen Daypack zwischen uns zu stellen, damit ich den großen aufsetzen konnte. Das tat ich aber nicht, da mir die Situation schon sehr komisch vorkam. Ich sah, wie meine Freundin ihren Backpack aufsetzte, konnte aber nicht sehr viel erkennen, da mir der Mann die Sicht versperrte… Als der Bus hielt, stiegen die Beiden aus und wir hinter Ihnen und dachten uns nichts dabei, bis uns aufgefallen war, dass das Daypack meiner Freundin ein massives Loch an der Seite hatte. Wir beide standen unter Schock, sie machte ihn auf und all ihre Sachen inklusive Handy und Kreditkarte waren weg. Gestohlen aus ihrem Daypack und aus ihrer Bauchtasche, die sich darin befand. Sie rannte zurück zum Bus und wir schauten nach dem Mann und der Frau, jedoch ohne Erfolg…
Wir sprachen den Busfahrer und seinen Kollegen an, diese zeigten sich sehr unbeeindruckt und zuckten mit den Schultern. Uns ist bis heute nicht klar, wie das passieren konnte, denn meine Freundin hatte sich ein Tag zuvor noch über ihre Handyhülle aufgeregt, weil die ständig in Bauchtasche festklebte und sie dadurch kaum ihr Handy herausbekommen hat. Und diese Frau hat es einfach unbemerkt geschafft, den Rucksack, den meine Freundin vor sich am Körper hängen hatte, aufzuschneiden (!), die Bauchtasche zu öffnen und alles, was sich darin befand, inklusive des Handys mit der besagten Hülle, herauszubekommen. Wir wurden so viel gewarnt und wir waren immer vorsichtig, aber leider kann man nicht vorsichtig genug sein. Wir waren einfach froh, dass uns nichts passiert ist und wir nicht bedroht wurden.
