Ich möchte gerne noch ein paar Worte über das Soloreisen in Sri Lanka verlieren, weil ich denke, dass auch dieser Part angesprochen werden sollte. Dabei geht es nicht darum, ein allumfassendes Urteil zu fällen, sondern um persönliche Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen.
Es ist sicherlich nicht so einfach wie in Thailand den Anschluss an andere Backpacker zu finden. Deine besten Chancen sind der Süden Sri Lankas an den bekannten Strandregionen wie zum Beispiel Mirissa oder Weligama. In diesen Regionen findest du häufiger die klassischen Hostels und kannst mit anderen Reisenden in Kontakt kommen. Schwieriger wird es im Hochland, hier wird häufig in Guesthäusern oder Homestays übernachtet, was ich am Rande erwähnt sehr empfehlen kann. Dabei übernachtest du in einem Familienhaus, also lebst mit der Familie unter einem Dach, bist aber in einem abgetrennten Bereich und das Frühstück ist oft im Preis inbegriffen, sodass du direkt die lokale Küche kennenlernen kannst. Okay, zurück zum Thema: Möchtest du als Frau einmal eine Soloreise testen, ist Sri Lanka nicht das Land, dass ich dir dafür an erster Stelle empfehle. Es herrschen sehr viele kulturelle Unterschiede in der Mentalität und der Art zu leben. Die Städte sind laut und chaotisch, im Straßenverkehr musst du sehr aufpassen, da kaum Rücksicht genommen wird und die Gleichberechtigung der Frauen ist noch nicht im ganzen Land angekommen. Hierbei beziehe ich mich auf eigene Erfahrungen und Gespräche mit anderen weiblichen Reisenden, die wir getroffen haben.
Generell ist es aufgrund der guten Infrastruktur, vor allem im Süden kein Problem von A) nach B) zu kommen. Aber in manchen Gegenden ist es nicht besonders angenehm. Obwohl ich mit langer Hose und T-Shirt unterwegs war, wurde ich von Männern in Dambulla auf unangenehme Weise angestarrt, gleiches habe ich über die Stadt Colombo gehört, in der wir selber nicht waren.
Die Menschen in Sri Lanka sind sehr herzlich und aufgeschlossen, dennoch gab es Momente, in denen ich dankbar war, nicht alleine zu reisen und Lukas an meiner Seite zu haben. Besonders unangenehm bleiben mir Momente in Dambulla oder Tissamahara im Gedächtnis. In Dambulla fragten wir einmal einen jüngeren Mann, ob es hier nette Cafés gibt, wir bekamen auch seine Hilfe und er lief mit uns zu einer Juice Bar, zwar kein Café, aber was solls. Das Fazit war, dass er die ganze Zeit in der Juice Bar bei uns sitzen blieb und auch noch knapp eine Stunde danach immer hinter uns her durch die Stadt lief. Selbst als wir ihn höflich darum gebeten haben, dass wir nun telefonieren möchten und gerne Ruhe hätten, blieb er an unserer Seite. In Tissamahra lief ich mit Lukas am Abend zurück zum Hotel, neben uns fuhr eine Gruppe Jugendlicher auf Fahrrädern. Immer wieder wurde uns hinterher gepfiffen, immer wieder direkt vor uns mit dem Fahrrad entlang gefahren und am Ende kam ein Jugendlicher direkt auf mich zugefahren, streckt seine Hand heraus und schnipst nur wenige Zentimeter vor meinem Gesicht. Der Sinn dahinter bliebt mir bis heute ein Rätsel. Ich bin zusammengezuckt und musste stehenbleiben, weil ich sonst seine Hand in meinem Gesicht gehabt hätte. Aus Gesprächen mit anderen Frauen konnte ich diese Distanzminderung ebenfalls entnehmen. Von vielen wunderbaren, liebevollen und traumhaften Erinnerungen, die ich an das Land und Menschen habe, sind die eben genannten Beispiele nur ein winziger Anteil, den ich dennoch aufschreiben wollte, um darauf aufmerksam zu machen.
